Kategorien &
Plattformen

Die Marienqelle in Bad Marienberg

Die Marienqelle in Bad Marienberg
Die Marienqelle in Bad Marienberg
© Günter Hummes
© Günter Hummes
© Günter Hummes

Marienquelle in Bad Marienberg

Die geschichtlichen Anfänge der Stadt Bad Marienberg haben mit dem sog. Kirchberg zu tun, der Anhöhe, die bis heute das Stadtbild prägt und auf der die evangelische Pfarrkirche steht. Im Mittelalter gehörte das heutige Bad Marienberg, das in einer Urkunde aus dem Jahr 1258 erstmals als mons sanctae Mariae unter den Schutz Marias gestellt wird, zum Dekanat Haiger und dem Archidiakonat Dietkirchen. Aus dieser urkundlichen Erwähnung hat sich der spätere Name „Marienberg“ wohl entwickelt. Die Mutterkirche für die Marienberger Gläubigen stand jedoch in Herborn und war ebenfalls ein Marienpatrozinium. Wegen des weiten Weges nach Herborn wurde daher um das Jahr 1100 anstelle eines schon vorhandenen hölzernen Oratoriums eine Kapelle auf dem Kirchberg in Marienberg errichtet. Sie war eine Herborner Filiale und war von Herborn aus initiiert worden.

Nach Häbel 1.) existierte eine alte Quelle, von der Bevölkerung „Helleborn“ oder „Heiligenborn“ genannt, auf der wasserreichen Basaltkuppe des Marienberger Kirchberges. Sie sprudelt bis heute und liegt in nur kurzer Strecke seitlich von der evangelischen Pfarrkirche entfernt, leicht unterhalb des Höhenniveaus der Kirche. Diese Quelle, die heutige Marienquelle, wurde vor circa 100 Jahren richtig gefasst  und auf einem kleinen Plateau mit einem künstlich angelegten parkähnlichen Gelände versehen. Der Volksmund sprach in der Mundart der Marienberger immer vom „Helleborn“ oder „Heilischeborn“ oder hochdeutsch vom „Heiligenborn“, wenn man die Quelle am Kirchberg meinte. Offiziell hat sich aber mittlerweile die Bezeichnung „Marienquelle“ etabliert. Schon vor dem Jahr 1900 wurde der Helleborn zur Marienquelle umbenannt. So wurde ein Bezug zur Marienkirche auf der Höhe hergestellt.

Obwohl öfter Vermutungen über eine wundersame Heilkraft des Quellwassers und damit verbundener Wallfahrten 2.) nach Marienberg angestellt wurden (so z.B. durch den Amtmann Chelius in Beilstein 1782 oder den nassauischen Landeshistoriker Daniel Vogel, der als zweiter Pfarrer in Marienberg um 1820 tätig war, oder durch Pfarrer Heyn um 1893) sind alle diese Mutmaßungen und Aussagen weder belegt noch bewiesen. Kessler 3.) schreibt dazu: „Es gibt (…) keinen Hinweis aus früherer Zeit und keine Spur, daß Teile des Besitzes der Kirche Zuwendungen von Wallfahrten gewesen sein könnten.“ Weiterhin führt er aus: „Historisch gesicherte Belege aus vorreformatorischer Zeit über Wallfahrten zum wundertätigen Marienbild nach Marienberg gibt es nicht.“ Daran ändert sich auch nichts, wenn der Heimatdichter Rudolf Dietz in seinem Gedicht „Sankt Mergenberg“ vom „Wunderborn“, einer „Prozession“ und vom „Pilger“ an der Quelle auf dem Kirchberg spricht.

Allerdings sind durch Eugen Heyn 4.) noch zwei Sagen über den Kirchberg und den Gang frommer Personen zur Marienquelle erhalten geblieben. Nach Heyn schreibt Dekan Anton Wilhelm Jacob Mencke Folgendes in der Bad Marienberger Kirchenchronik:

„ (…) Namentlich aber erzählt die Sage von einer vornehmen Dame aus Seck, welche häufig den frommen Gang gemacht habe. Ihr Name sey Els (Elisabeth) gewesen, daher der Name eines Dörfchens in der Nähe der Kleinen (richtig: der Großen) Nister. Illfurt (Elsfurt). In diesem Dörfchen war bis vor ca. 12 Jahren ein Brunnen, welcher aus einem hohen Baumstrunke hervorsprudelte, und der Heiligenstockbrunnen genannt wurde. An diesem soll Els sich jedesmal niedergelassen und daraus getrunken haben. – Auf Verfügung eines Medizinalbeamten wurde der Stock entfernt und der Quelle eine Mauereinfassung gegeben, aber, gleich als ob sie sich über diese Profanation entrüstet hätte, ist sie von da an vollständig versiegt.“

Weiterhin ist bei Heyn ausgeführt:

„ … das ohngefähr 5 Minuten von Illfurt entfernt gelegene Stockhausen soll seinen Namen tragen von einem Heiligenstock an der Wallfahrtsstraße; und ganz in der Nähe der Kirche zu Marienberg, am südlichen Abhange des Berges, dessen Haupt sie ziert, findet sich der sogenannte Heiligenborn, eine auch in Steine gefaßte mit einer gewaltigen Steinplatte abgedeckte Quelle, welche wegen ihres trefflichen Wassers verdiente, auch von Protestanten in Ehren gehalten zu werden.“

Die Marienquelle selbst und ihre Umgebung wird auch heute nach wie vor von der Bad Marienberger Bevölkerung geschätzt und in Ehren gehalten. Es ist Tradition, an der Quelle innezuhalten, um zu rasten. Gäste und Einheimische finden Ruhe beim beruhigenden Sprudeln und Rauschen der Quelle. Gelegentlich finden kirchliche Andachten an der Quelle statt, z. B. im Marienmonat, dem Mai.

Tatkräftig und fleißig kümmern sich Mitglieder des Westerwaldvereins und der katholischen Gemeinde aus Polen in Bad Marienberg um die saubere und gepflegte Gestaltung der Marienquelle und ihrer Umgebung. Sie kümmern sich um die Wege, den Treppenbau und um die Quelle selber. Diese ist ein beliebtes Wanderziel und liegt übrigens an einem Zuweg des Westerwaldsteiges.

Günter Hummes

Dank an Herrn Friedel Stahl aus Bad Marienberg; an Frau Kögler aus Hachenburg und die Touristinformation in Bad Marienberg

  1. Hans-Joachim Häbel, Aus der Kirchengeschichte von Bad Marienberg. In: H. Gensicke/H.-J. Häbel u. a., Bad Marienberg, Band 4
  2. Karl Kessler, War Marienberg einst Gnadenstätte und Wallfahrtsort?
  3. Karl Kessler, a. a. O.
  4. Eugen Heyn, Der Westerwald und seine Bewohner von den ältesten Zeiten bis heute, Marienberg 1893  
© Günter Hummes